Watte. Ist das erste was mir in den Gedanken kommt. Wie Watte in den Ohren. Die Musik kann ich noch in meinem Körper spüren. Auch wenn sie bereits verstummt ist. Nass. Ich kann den Schweißfilm spüren, der sich über meinen ganzen Körper zieht. Kleben. Alles klebt. Der Stoff meines Kleides an meinem Körper. Ein Lächeln. Ich kann nicht aufhören zu lächeln. Ein Traum. Wie in einem Traum. Ein wahr gewordener Traum. Glück. Reines Glück. Ich spüre das Glück, bin vollkommen zufrieden.
Freiheit. Die Menschen um mich herum verschwinden. Nach einander verlassen sie die Halle. Meine Beine bewegen sich nicht. Verweilen. Einfach noch einen Moment verweilen. Den Moment auskosten bis zum letzten.
Meine Freunde. Mein Blick glitt zur Seite. Meine Freundin hält sich an einer zerknüllten Plastikflasche fest. Auch die beiden sind noch nicht ganz wieder angekommen.
Zu ende. Das Konzert beendet. Die Halle fast leer. Es war ein Wahnsinnskonzert. Ein Traum. Eine Rumspinnerei. Nie hätte ich gedacht wir würden jemals hier stehen. Wir haben es uns ausgemalt, wie es wäre, wenn er auftreten würde. Wie es wäre, wenn wir da wären. Nichts. Gar nichts kommt auch nur annähernd an das hier ran. Es ist… ich kriege es gar nicht wirklich zu fassen.
Wie sehr hatten wir uns genau das gewünscht? Wie oft darüber geredet? Jetzt stehen wir hier. Niemand hat jemals daran geglaubt, aber es ist passiert.
Es ist zu ende. Die Zeit verging viel zu schnell. Ich weiß gar nicht wie spät es ist. Trotzdem tragen unsere Beine uns langsam nach draußen.
Kalt. Tropfen. Erfrischung. Es ist angenehm. Ich spüre die kalten Regentropfen auf meiner Haut aufkommen. Vor ein paar Stunden noch, hatte die Sonne geschienen. 32 Grad, wenn nicht so gar noch wärmer.
Jetzt, jetzt ging die Welt unter. Ich spüre keine einzelnen Tropfen mehr. Es gießt wie aus Eimern. Sintflut kommt dem Geschehen wohl nahe. Meine Kleidung ist nun völlig durchnässt. Alles nass. Ich schließe die Augen. Der kalte Regen auf der warmen Haut. Es ist als würde der Schweiß weggewaschen werden. Frisch. Angenehm. Das pure Glück. Das Glücksgefühl lässt mich nicht los. Ich muss lachen. Leicht beginne ich mich im Regen zu drehen.
Perfekter konnte es einfach nicht sein.
Regenschirme. Überall Regenschirm. Sie werden aufgespannt. Die Menschenmassen eilen zum Bahnhof. Alle versuchen trocken zu bleiben. Es ist völlig egal. Wir sind schon durchnässt. Dann werden wir eben krank. Es zählt nicht. In diesen Moment zählte nur dieses Gefühl. Ich wollte springen und tanzen. Nie wieder damit aufhören. Der ganze Tag hatte mich so aufgeputscht. An Ruhe war nicht zu denken. Abschalten. Ausruhen. Nein einfach nur das Glück herauslassen.
Warten. Wir würden warten, um noch einen letzten Blick auf die Künstler zu werfen. Vielleicht doch noch ein Bild zu bekommen. Einfach um dieses Gefühl noch etwas länger zu haben. Um das Gefühl das alles perfekt war nicht zu verlieren. Wir wollten es uns erhalten. Festhalten. Für immer in uns einschließen.
Was hatte diesen Tag so perfekt gemacht? War es einfach dieses befreiende Gefühl im Regen? Das Gefühl, dass alles negative von ihm weggespült wird? Das erfrischende Gefühl auf der Haut?
Oder war es dieses Konzert von dem wir schon ewig geträumt hatten? Der Künstler, der uns in gewissen Sinne zusammengebracht hatte? Mit ihm hatte es angefangen. Genau mit diesem Sänger hatte diese dreier Freundschaft begonnen.
War es die Fahrt zum Konzert gewesen? Wie wir gemeinsam durch die Stadt gefahren waren. Wir die Blicke der Leute auf uns zogen. Das die Leute erkannten zu welchen Konzert wir gingen.
War es das gemeinsame schminken? Wie wir vor dem Spiegel standen und über das Make Up rätselten. Uns die Frage nach den Frisuren fast verrückt machte? Wie ich mit den Haaren meiner Freunde schließlich machen konnte was ich wollte?
War es das gemeinsame unterhaltsame Essen?
War es unser Ausflug am Vormittag gewesen? Wo wir zum Fluss gegangen sind zum schwimmen? Nur geschwommen sind wir nicht, nicht wirklich zumindest.
Starke Strömung war vermutlich noch etwas anderes. Doch die Strömung in dem Fluss war so stark, dass du nicht stehen bleiben konntest. Es dauerte eine Weile bis sich die erste überwunden hatte und in den Fluss stieg. Es war lustig mit anzusehen. Wir versuchten gegen den Strom zu schwimmen, planschten herum und machten einfach die bescheuertesten Fotos.
An diesen Tag stimmte einfach alles. An diesen Tag war einfach alles perfekt. Es war unglaublich. Noch nie hatte ich so ein Gefühl. Es füllte mich aus.
Da liefen sie vorbei in den Bus. Kein Autogramm, kein Bild, nur ein kurzer Blick, aber irgendwie reichte genau das auch in diesen Moment. Alles andere war gar nicht nötig. Ich weiß nicht wie lange wir hier standen, wie lange wir uns gegenseitig die Ohren zu schwärmte. Langsam wateten wir durch den Regen zur Bahn.
Ja was hatte diesen Tag so perfekt gemacht? Was war es? Ich beobachtete meine Freunde. Wie sie grinsten und lachten und man einfach unser Lächeln nicht mehr aus unseren Gesichtern kriegen konnte.
Wir stempelten die durchnässte Fahrkarte ab. Meine Freundin zog die Kamera heraus, während meine andere Freundin sich immer noch an der zerknautschten Wasserflasche unseres Künstlers festhielt. In diesen Moment war es mir klar.
Es war nicht das schwimmen, es war nicht das Essen, oder das gemeinsame Fertigmachen. Es war auch nicht die Fahrt oder das Konzert. Es waren die beiden. Es waren diese beiden Personen die diesen Tag perfekt machten. Es war das Gefühle diesen Traum mit jemanden geteilt zu haben, der nicht nur weiß was es dir bedeutet, sondern es ihm auch genauso viel bedeutet. Es war das Gefühl etwas unglaublich schönes gemeinsam erlebt zu haben. Diese beiden machten diesen Tag perfekt. Ohne sie wäre es sicher großartig gewesen aber niemals perfekt. Weil sie nun mal wichtige Personen in meinem Leben waren. Die mein Leben bereicherte. Sie verstanden und fühlten sich in diesen Moment genauso wie ich.
Niemals würde irgendjemand von ihnen ein schlechtes Wort über diesen Tag verlieren. Niemals würde jemand von ihnen diesen Tag herabsetzen. Denn er war für uns drei perfekt gewesen. Da waren wir uns einig. Es war das Gefühl der Verbundenheit, was zwischen uns herrschte.
Wir würden diesen Tag hüten in unseren Herzen, als eine kostbare Erinnerung. Jedes mal wenn wir daran denken, wird sich mit Sicherheit ein Lächeln auf unsere Lippen legen und sagen, dass das ein perfekter Tag war. In den Gesichtern meiner Freunde sehe ich genau die gleichen Gefühle. Es war perfekt, aber uns ist auch klar, dass die anderen es vermutlich nicht verstehen werden.
Doch ist das nicht wichtig. Wichtig ist das wir es verstehen. Wichtig ist, dass wir nie vergessen, das unsere Freundschaft diesen Tag perfekt gemacht. Wichtig ist das wir nie vergessen, das diese Freundschaft ewig währt. Egal was passieren wird. Egal ob wir uns streiten oder uns seltener sehen. Es ist egal ob einer Wegziehen wird oder wir in der gleichen Stadt bleiben. Dieses Gefühl der Freundschaft, dass uns verbindet ist für die Ewigkeit. Das ist die Wahrheit. Deswegen war dieser Tag perfekt, weil wir genau dieses Gefühl hatten. Die Unendlichkeit unserer Freundschaft.
Ich lächle und hacke mich bei meinen Freunden unter. Ich weiß diese Bilder werde ich in mein Zimmer stellen und immer wenn mein Blick darauf fällen wird, wird ein Lächeln mein Gesicht zieren.
Langsam senkte sie die Blätter. Ob sie auch einmal so einen Tag erleben würde? Vorsichtig legte sie das Geschriebene zur Seite und schaut wieder in die Kiste die sie auf den Dachboden gefunden hatte. Ihr Blick fällt auf ein zerdrückte Plastikflasche. Sie hatten sie echt aufgehoben? Das war ja krass. Schnell wird sie neben den Text gelegt und ein verstaubtes Album rausgeholt. Sachte schlägt sie es auf und sie weiß sofort von welchen Tag die Bilder sind. Man sieht richtig wie sie diesen Tag genießen. Sie schaut in strahlende Gesichter. Diese Menschen mussten wirklich ein schönes Leben geführt haben. So voller Spaß und Freude. Es ist fast so als wären die Bilder lebendig. Als könnte sie die Szene sich direkt vor ihrem Auge abspielen. Fast zärtlich gleiten ihre Finger über die Bilder. Sie hatte einen Schatz gefunden. Eine Erinnerung, eine kostbare Erinnerung. Irgendwann wollte sie auch eine solche Erinnerung haben und dann würde sie diese hier zu dieser packen und irgendjemand würde irgendwann diese beiden Erinnerungen finden und vielleicht so gar Mut geben. Das Album würde ebenfalls sorgsam zur Seite gelegt. Das nächste was sie in den Händen hält ist ein Bilderrahmen mit einem Bild von den dreien. Total durchnässt. Dort findet sie ebenfalls eine dreier Freundschaftskette. Ob das Mädchen recht gehabt hatte? Waren sie ein Leben lang befreundet geblieben? Zu gerne würde sie wissen wie das Leben dieser Mädchen weiter verlaufen war. Das letzte in der Kiste ist ein Brief. Zögerlich öffnete sie ihn. Der Umschlag war leer. Etwas enttäuscht packt sie ihn weg. Irgendwie hatte sie gehofft noch eine Nachricht von den drei zu haben.
Doch dann lächelte sie leicht und klopfte sich den Staub aus ihren Klamotten. Schnell packte sie die Sachen wieder in die Truhe und schloss sie, dann trat sie nach unten. Den kleinen Zettel der auf den Boden fiel bemerkte sie nicht.
Was wohl aus diesen Menschen geworden war? Wie es ihnen ging? So ein Gefühl wollte sie auch irgendwann haben. Ihr Blick fiel auf ihr Armband. Das Gegenstück dazu hatte ihre Freundin. Ein Lächeln schleicht sich auf ihr Gesicht. Sie waren schon ewig befreundet. Eine halbe Ewigkeit. Sie greift nach dem Telefon und fällt ihre Nummer.
„Hi.“, sage ich als abgenommen wird.
„Du bist es. Was ist los?“, kommt die Stimme ihrer Freundin von der anderen Seite.
„Hast du Lust noch vorbei zu kommen. Ich habe da etwas auf unseren Dachboden gefunden.“ Sie konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Gleich würde sie sich aufregen, dass es gemein wäre und sie jetzt ja kommen müsse, weil sie sonst vor Neugier sterben würde.
„Du bist fies. Total unfair. Du kannst es mir doch einfach sagen. Ach verdammt. Ich bin auf den Weg bevor mich meine Neugier noch umbringt.“
„Ich hab dich auch lieb.“, sagte sie noch, dann lege beide auf.
Irgendwann würde sie beide etwas erleben. Das diesen Platz in der Kiste verdient hatte. Einen Moment der so perfekt war, dass sie sich wünschen würde, er würde ewig anhalten. Da war sie sich sicher. Eines Tages würde dieser Tag kommen.
Die Kiste steht vor ihr. Die Sachen die vorher schon drinne waren sind ordentlich schon wieder in ihr verstaut. Neben ihr liegen. Viele Blätter. Teilweise beschrieben, teilweise zerknüllt. Da neben steht eine Pappverpackung für Essen mit Pluto drauf. Sie lächelt. Dann tritt ihre Freundin zu ihr mit einem Album. Gemeinsam verstauen sie es in der Kiste. Genauso wie die Verpackung. Und einen Brief, der Brief mit ihren Erlebnisse. Mit ihrer Erinnerung. Kurz zögern sie, dann packen sie ihre Armbänder dazu. Sorgfältig wird die Kiste wieder verschlossen und weggestellt.
Ihre Freundin bückte sich und hebt einen kleinen Zettel auf. Sie lesen ihn und lächeln.
Träume nicht dein Leben, sonder lebe deine Träume.
Huhu
Die Geschichte ist wirklich schön und rührend =) In ihr zu schmökern, hat Spaß gemacht ^________^
Mako